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Belgien (Niederlande), Schottland, Nordirland, Irland, Frankreich, Schweiz – 5 Wochen

 

Ausgangspunkt: Bad Säckingen, Hochrhein, bzw. Düsseldorf

Zielpunkt: Bad Säckingen

Wegstrecke: 3563km

Jahreszeit: Sommer, August

 

Etappen (28.7. – 1.9.2004)                                                        

1. Etappe: Bad Säckingen/D - Basel/CH #38km                                                          

Flandern, Belgien (Niederlande)  

                                                                                       

2. Etappe: Düsseldorf/D - Mol/B #150km

3. Etappe: Mol – Moerbek #108km

4. Etappe: Moerbek/B – Zeebrügge/B #86km

 

Schottland

 

5. Etappe: Rosyth, Edinburgh/GB – Kenmore, Loch Tay #105km

6. Etappe: Kenmore – Strontian #151km

7. Etappe: Strontian – Oban #65km

8. Etappe: Oban – Innere Hebrideninsel Islay #32 km

9. Etappe: auf Islay – keine wirkliche Etappe #26km

10. Etappe: weiter auf Islay #59km

11. Etappe: Islay – Isle of Arran #69 km

12. Etappe: Isle of Arran – Girvan #101km

Nordirland

13. Etappe: Girvan/GB – Cullybackey/Nordirland #105km

14. Etappe: Cullybackey/Nordirland – Donegal/IRL #154 km

Republik Irland (West- und Südküste)

15. Etappe: Donegal – Crossmolina #150km

16. Etappe: Crossmolina – Küste von Connemarra #96km

17. Etappe: Connemarra – Aran Islands, Inishmore #88km

18. Etappe: Inishmore – Doolin #17km ;-)

19. Etappe: Doolin – Tralee #107km

20. Etappe: Tralee – Dingle #87km

21. Etappe: Dingle – Lauragh #126km

22.Etappe: Beara Peninsula Rundtour #87km

23. Etappe: Lauragh – Dunmanway #87km

24. Etappe: Dunmanway – Dungarvan #155km

25. Etappe: Dungarvan – Waterford #54km

26. Etappe: Wexford – Rosslare #68km

Frankreich (Normandie – Jura)

27. E tappe: Cherbourgh – Carentan #73km

28. Etappe: Carentan – Falaise #120km

29. Etappe: Falaise – Illiers #156km

30. Etappe: Illiers – Lorris #137km

31. Etappe: Lorris – Accolay (südl. Auxerre) #124 km

32. Etappe: Accolay – Vendenesse #108km

33. Etappe: Vendenesse – Lons le Saunier (Vernantois) #133km

34. Etappe: Vernantois – Lac du Joux/CH #108km

 

Schweiz

35. Etappe: Lac du Joux – Bielersee #106km

36. Etappe: Bielersee – Bad Säckingen/D #127km

 

* * *

Tourbeschreibung

Wie man sehen kann, ist diese Tour von anderem Kaliber gewesen als unsere bisherigen. Die Vorbereitung war aufwändig, hat sich aber gelohnt, wobei viel Unvorhergesehenes geschehen ist, wo Improvisation zum Alltag wurde. Fünf Wochen war kein Urlaub mehr an sich, sondern eine richtige Auszeit und wir mussten einiges anders organisieren als bisher.

 

Bad Säckingen – Basel/CH #38km:

Die erste kleine Etappe führte uns in sommerlicher Abendstimmung nach Basel an den Bahnhof, wo wir mit dem Nachtzug bis nach Düsseldorf fahren wollten. Am Rhein entlang gibt es auch am Hochrhein einen schönen und einigermaßen gut ausgeschilderten Radweg bis nach Basel, den es sich auch so zu fahren lohnt. Angenehm: am Basler badischen Bahnhof sind die Aufgänge zu den Fernzügen leicht per Fahrrad zugängig da Rampen statt Stufen. Erste Überraschung am Bahnhof: Unser Tandem sei gar nicht angemeldet, was uns doch sehr wunderte, nachdem wir wochenlang mit der Bahn in Kontakt standen, um heraus zu finden, ob in den Nachtzügen auch Tandems mit können. Nachdem wir direkt mit der Hotline dieses Nachtzuges in Kontakt standen und man uns die Reservierung zusicherte, war dies eine seltsame Geschichte, die zum Glück keine Folgen hatte, da noch genügend Platz war. Also: bei Zweifel und Sicherheit lieber alles schriftlich von der Bahn anfordern.

Düsseldorf – Viersen – Reuver (NL) – Weert(NL) – Mol (B) #150km:

Nachtzug ist nicht empfehlenswert, zumindest Liegewägen nicht. Wir haben beide zwecks Überhitzung und Enge nicht geschlafen und kamen einigermaßen gerädert in Düsseldorf an. Eigentlich keine gute Ausgangsbasis für eine optimistisch geplante Strecke bis weit nach Belgien hinein. Doch Sonne und Ferienstimmung ließen den Schlafkater bald verkriechen und wir radelten drauf los, zuerst am Rhein entlang raus aus Düsseldorf, was nicht ganz leicht war. Dann über Kaarst und Viersen zur niederländischen Grenze nach Reuver. Bei Kessel sind wir mit einer kleinen Fähre für -,80 Euro über die Maas übergesetzt. Dann fing langsam das endlose Fahren an den immer größer werdenden Kanälen an – immer in Richtung Westen. Sehr angenehm bei leichtem Rückenwind. Unsere belgischen Radkarten hatten einen so kleinen Maßstab, dass wir schon immer viel weiter waren als wir dachten. Das ging also flott. Nur die Suche nach einem Campingplatz erwies sich schwieriger als vermutet. Die z.T. eingezeichneten Plätze waren für uns unauffindbar, so dass wir am ersten Tag gleich mal weiter fuhren als gewollt. In Mol haben wir dann einen riesigen Camping gefunden, der erstaunlich teuer war mit über 20 Euro und für uns viel zu groß. Aber gute Duschen und dann Rindenmulch und Sand als weicher Untergrund für das Zelt.

Mol – Herentals - Antwerpen – Moerbek #108km:

Wir fuhren weiter an Kanälen, was die ersten 30km auch sehr angenehm lief. Dann wurde es zäher, weil Gegenwind hinzukam. Wir kämpften uns bis nach Antwerpen, was uns gut gefiel und für eine längere Mittagpause das Richtige war (Foto). Mit dem Aufzug ging es runter zum Radtunnel unter der Schelde hindurch, so dass wir auf der anderen Seite unseren Weg Richtung Westen fortsetzen konnten. Alle Wege waren leicht zu finden, gut ausgeschildert, z.T. brauchten wir unsere eigenen Karten gar nicht. Bei dieser Etappe gab es gleich eine Menge Campingplätze zur Auswahl. Lange fuhren wir dann auf der Strecke eines alten Eisenbahndamms, dessen Vorteil die absolute Gradlinigkeit war, der Nachteil jedoch die vielen Übergänge bei Straßen und in Dörfern, die z.T. sehr eng waren und wir mit unserm Tandem so manche Rangieraktion machen durften. Bei Moerbek wählten wir einen Campsite im Wald, der uns sogar mit einem Separée nur für Zelter aufwartete.

Moerbek – Zelzate – Sluis (NL) – Zeebrugge #86km:

Wir fuhren weiter auf dem alten Bahndamm und dann irgendwann weiter quer durch über Zelzate. Wir freuen uns an unseren Karten, die sehr genau sind und uns auf schönen, kaum befahrenen Wegen führen: durch Wälder, Alleen und auf Dämmen – nicht immer asphaltiert. Erst ca. 20km vor Zeebrügge fing dann das Suchen nach einem guten Weg zum Hafen an, da wir für diesen Abschnitt keine Fahrradkarte mehr hatten. Die Schwierigkeit nicht auf vielbefahrene Schnellstraßen zu geraten, ließ uns einige Umwege fahren und auch ab und an umkehren. Hinzu kam mal wieder ein Gegenwind, aber im Großen und Ganzen hatten wir bislang ja sehr Glück mit dem Wind. Das hat jedenfalls Spaß gemacht, als wir unseren Kai gefunden haben und die Fähre sahen. Wir sind direkt auf die Fähre - zu den Lastwagen. Vier weitere (Einzel-)Räder waren auch da. Unsere Fähre haben wir im Voraus fest gebucht, da die Verbindung Zeebrügge-Rosyth nur über Nacht fährt und damit eine Buchung zwingend ist. Wir haben den Schlafsaal gewählt, wobei die Übernachtung eher auf dem Boden als in den Schlafsessel möglich war. Dafür haben die Fähren der ‚Superfast Ferries’ sehr gute Duschen. Leider ist auf diesem Schiff alles sehr teuer. Wir hätten das Essen selbst mitnehmen sollen, weil alles andere richtig überteuert ist. Dafür war die Überfahrt sehr ruhig und angenehm. Von Seegang spürten wir gar nichts.

Rosyth (Sco) – Glen Devon - Crieff – Glen Quaich – Kenmore #105km:

Ankunft in Rosyth bei Nebel – war ja klar. Dafür haben wir die berühmte Eisenbahnbrücke über den Firth of Forth in beindruckender Weise aus dem Nebel kommen sehen. Man sagte uns, dass dieser tiefer Nebel aber ein gutes Zeichen sei. Derjenige sollte Recht behalten. Wir fuhren geradewegs in Richtung Norden los, mit ein paar komischen Geräuschen im Tretlager, das wir nicht weiter identifizieren konnten und mit der Zeit auch nachließ. Allein schon aus Rosyth bzw. Dumferline herauszufahren machte uns schon etwas Angst, denn dieser Ort besteht nur aus Hügel und Tälern. Aber unsere Angst war nicht begründet. Bald ging es schon besser und wir fuhren in Richtung Crieff durch das wunderschöne Glen Devon und Glen Eagles. Ab drei Uhr rieß dann noch der Himmel auf und wir konnten unser Glück kaum fassen. Wir radelten in der Sonne durchs wunderschöne Schottland – genauer: Glen Almond - und durften kurz vor Ziel am Loch Tay noch eine harte Prüfung bestehen: Aus dem Glen Quaich, hinter Garrow (zwei Häuser), führt die Straße mit gefühlten 20% Steigung hinauf, was uns an den Rand des für uns Machbaren trieb. So fuhren wir von Passing Place zu Passing Place und konnten die tolle Aussicht mäßig genießen. „Glen Leiden“ wurde daraufhin dieser Streckenabschnitt von uns umbenannt, um später ein bisschen dramatisch erzählen zu können. Genauso steil ging es auf der anderen Seite wieder runter nach Kenmore an der Ostseite des Loch Tay. In Kenmore gibt es einen guten Campingplatz mit vielen britischen Familien, dafür auch mit Waschmaschinen und sehr flotten (sehr heißen) Trocknern und einem kleinen Laden, der auch Campinggaz führt, was wir schon seit ein paar Tagen suchten. 

 

Kenmore – Killin – Crianlarich – Glencoe – Strontian #151km:

Mit unseren Tandemfreunden aus Glasgow, mit denen wir uns in Kenmore verabredet hatten, fuhren wir auf der Nebenstraße südlich des Loch Tay 30km gemeinsam nach Killin. Diese Strecke ist lohnenswert, aber auch sehr hügelig und so hingen wir abwechselnd am Berg, hatten aber unsern Spaß. In Killin sind auf jeden Fall die Falls of Dochart anzuschauen, trotz der Touristen. Der Ort ist klein und touristisch, hat aber alles, um sich für den Tag zu versorgen, was wir auch gleich taten. Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden und fuhren weiter nach Crianlarich, über die Rannoch Moors ins Glencoe. Hier spielte das Wetter ein bisschen Theater und zeigte uns, was für Lichteffekte alles in einem schottischen Glen möglich sind. Wir waren begeistert. Hier ereilte uns aber auch der erste Regen. Trotzdem Glück gehabt: Rückenwind, großes Mitleid empfanden wir für die Radler, die uns bei diesem Wetter entgegenkamen. Die Wettervorhersage für die weiteren Tage war auch nicht gut und unser Plan über Mull mit einer fischerbootgroßen Fähre auf die Insel Colonsay zu fahren stand damit in Frage. Wir versuchten von Ballachulish bei dieser Fähre anzurufen und erfuhren, dass wir die einzigen auf der Fähre wären und wir sollten in Handykontakt bleiben. Die Einzigen? Mit der Corran Fähre sind wir - es war schon abends - über den Loch Linnhe und kamen nach weiteren 15 Meilen glücklich und erschöpft auf einem gemütlichen Campingplatz in Strontian an, wo Hühner und Hasen völlig entspannt herumliefen. Leider auch die Midges, die uns sowohl am Abend wie am nächsten Morgen sehr plagten.

Strontian – Lochaline – Craignure (Mull) – Oban #65km:

Der Morgen fing mit Nieselregen an, was die Midges nur noch wilder machte und so waren wir froh, endlich auf dem Rad sitzen zu können und keine Viecher mehr in den Ohren und der Nase haben zu müssen. Von Strontian fuhren wir nach Lochaline. Hier kommt eine böse lange Steigung sobald die Straße von Loch Sunart nach Süden abzweigt. Leider war das Wetter hier auch nicht gut, es fing auch an zu regnen, so dass wir die erklommene Höhe nicht durch schöne Ausblicke ausnützen konnten. In Lochaline stand dafür die Fähre gerade da und wir kamen für 4 € gerade noch mit auf die Insel Mull. Auf Mull mussten wir uns entscheiden, was wir nun tun werden: zur Fähre nach Colonsay (weitere 100km) oder Alternativplan. Der Regen wurde immer stärker und die Midges waren jetzt überall auch tagsüber, so dass wir uns entschieden, keine waghalsige Fährfahrt nach Colonsay zu nehmen (unser Tandem wäre auf dem Meer von einem Dinghy auf die kleine Fähre gehoben worden, was ja durchaus mal spannend gewesen wäre), sondern mit der nächsten Fähre von Craignure aus (10km weiter) zurück auf’s Festland: nach Oban, um von dort dann am nächsten Tag nach Islay zu fahren. Das Wunderbare an Schottland ist, dass die Fähren im Monopol von ‚Caledonian MacBrayne’ Fahrräder umsonst mitnehmen und man nur als Fußpassagier bezahlt. Damit ist ein Inselhopping recht günstig. Unkompliziert ist es auf jeden Fall – auch mit Auto. Also zurück nach Oban und auf den Campingplatz südlich von Oban, von dem man eine schöne Sicht aufs Meer hat - aber bedauernswerte Duschen. Wir machen ein bisschen Pause in Oban bis zum nächsten Nachmittag. Oban lohnt sich auf jeden Fall. Es ist der wichtigste Hafen im Westen Schottlands. Von hier aus gehen alle Boote auf die Inseln und es gibt sowohl viele Touristen wie auch Veranstaltungen. Der Ort bietet eine Menge an guten Möglichkeiten zum Essen und Shoppen. Das ‚War and Peace Museum’ direkt am Hafen ist für Deutsche etwas befremdlich, weil man nach dem Peace lange sucht und sich seltsam berührt fühlt durch die für uns verherrlichende Sichtweise des 2. Weltkrieges. Dennoch interessant, denn es gibt einige alte Fotos von Oban und den Highlands, die an andere, ärmere Zeiten in Schottland erinnern. Mal im Café absitzen hat auch was nach ´ner Woche.

Oban – Port Askaig (Islay) – Port Charlotte #32km:

Keine wirkliche Etappe. Denn mit der Fähre ging es erst nachmittags um drei nach Islay. Das Wetter wurde immer besser und die Überfahrt war einzigartig, denn wir sahen nicht nur Millionen von Seevögeln, sondern auch Delphine, Robben und angeblich eine kleine Haiart. Das Schiff legte kurz auf Colonsay an und wir konnten uns unsere „verpasste“ Insel immerhin vom Schiff anschauen. Wir werden mal wieder herkommen, scheint sich zu lohnen. Auch erwähnenswert ist die Möglichkeit auf den CalMac-Fähren günstig und ganz gut essen zu können. Kein Vergleich zur Superfast Ferries. Außerdem ist immer eine lustige Stimmung an Bord der schottischen Fähren. Wir kommen bei wunderbarer Sonne auf Islay an und sind erstaunt, denn es kommen noch zwei weitere lustige Räder von Bord. Ein weiteres Tandem einer jungen Familie, wo für das hinten sitzende kleine Mädchen die Kurbel nach oben versetzt wurde. Und eine Art Tandem-Anhänger für zwei Kinder, die wie auf einem Tandem aufsitzen und treten, hinter ihnen ist ein richtiger Hängerplatz und das ganze Gefährt hängt an einem normalen Rad. So waren diese beiden kinderreichen Familien auf den Inseln unterwegs, weil dies natürlich eine noch spannendere Sache ist. Wir waren jedenfalls über den Ideenreichtum der Fortbewegungsmittel beeindruckt. Auf Islay fuhren wir nach Port Charlotte, wo wir uns ein B&B gönnten, um nach einigen feuchten Nächten mal so einiges wieder trocken zu bekommen und uns sauber. Hotel Lochindaal stellte sich eher als Kneipe oder Gasthaus mit B&B heraus als ein Hotel. Die Zimmer waren völlig ok, der Preis auch und wir hatten am Abend noch ne Kneipe zum Whiskytrinken. Was wollten wir mehr?

(Islay) Port Charlotte – Bruichalddich Distillery – Saligo Bay #26km:

Es galt Islay gründlich anzuschauen. Was gehört dazu? Natürlich die Distillerien. So gingen wir als erstes in die Bruichladdich Distillerie, die längere Zeit geschlossen war und nun unter neuem Management wieder offen ist. Auch wenn wir von frühreren Schottland-Reisen ein paar Distillerien bereits von innen gesehen haben, ist es doch bei jeder anders. Die Herstellung von Bruichladdich Whisky kann über Webcams im Internet verfolgt werden und genau damit war die Distillerie vor wenigen Jahren mit einem kuriosen Vorfall in den Schlagzeilen gekommen: der CIA hat in der Distillerie eine potentielle Chemiewaffenproduktionsstätte vermutet und sich gemeldet als eine der Webcams ausfiel. Noch heute werden stolz die Zeitungsartikel gezeigt und mit einer Sonderedition eines Single Malt ist diese Geschichte auch gleich marketingtechnisch ausgenutzt worden. Aber zurück zum Radeln. Auf Islay gibt es nur wenige Autos und wenige Straßen. Man kann praktisch überall fahren, solange man durchkommt und die Reifen bei manch schwierigen Belägen mitmachen. Man ist dafür aber im Grunde allein mit der wunderbaren Landschaft und einem eventuell bösen Wind. Diese Etappe ging daher nicht sehr weit und wir ließen uns an der Nordwestküste einfach auf den bewachsenen Dünen an der Saligo Bay nieder. Auf Islay kann man sehr gut wild campen und die Landschaft lädt richtig dazu ein (Foto).

(Islay) Saligo Bay – Bowmore – Port Ellen - Lagavulin Distillery – Port Ellen - Kintra #59km:

Wir fahren vom Norden über Bowmore in den Süden vorbei an einem weiten Gebiet, wo massenweise Torf für die Whisky-Herstellung gestochen wird. Durch Port Ellen sind wir weiter zur Lagavulin Distillerie – manchmal roch es auf Islay richtig nach Whisky, weil man in der Nähe eines Lagerhauses vorbeifuhr. Paradiesische Zustände für die Freunde des Single Malts! Im Süden der Insel sitzen die ganzen bekannten Großdistillerien: Laphraoig, Lagavulin und Ardbeg. Lagavulin Distillerie lohnt sich schon allein wegen des schönen alten Gebäudes, in dem die Büros und das Probierzimmer ist. Eine wunderbare Stimmung dort. Zurück durch Port Ellen sind wir auf den einzigen Campingplatz der Insel: Kintra Farm. Der ist zwar wunderbar am Meer gelegen ist, die Besitzer aber richtig mies gelaunt. Vorsicht: auf jeden Fall nicht erst Zelt aufstellen und dann zu ihnen gehen, sonst hat man es mit ihnen verdorben. Wir haben das kleine Schild an der Scheune jedenfalls übersehen. Wir haben hiermit unsere Pflicht getan und darauf hingewiesen. Brillanter Sonnenuntergang dafür.

Port Ellen (Islay) – Kennacraig (Kintyre) – Lochranza (Arran) – Kildonan (Arran) #69km:

Heute ist ein weiterer Fährentag: von Islay ging es wieder runter und zunächst nach Kennacraig auf der Halbinsel Kintyre, deren Rücken wir, um zur nächsten Fähranleger Claonaig zu kommen, einmal bergauf und wieder bergab überquerten. Von der Mitte von Kintyre sieht man schon direkt auf Arran und seine bergige Nordhälfte. Das Wetter war noch bedeckt, klarte aber bald auf. In Claonaig saßen wir dann schon in der Sonne und warteten auf die Fähre nach Arran. Ein Dudelsackspieler übte im Wartehäuschen und spielte die ganze Überfahrt hindurch. Auf Arran waren an diesem Tag in Brodick Highland-Games. Davon bekamen wir an diesem Tag aber nicht viel mehr mit, da wir auf der gegenüberliegenden Westseite der Insel in Richtung Süden fuhren. Mit miesem Gegenwind, aber bei wunderbarer Sonne umkreisten wir die Insel bis zur Südspitze, nach Kildonan auf den Campingplatz. Die Straßenverhältnisse auf Arran sind besser als auf Islay, doch muss man auf allen Inseln seine Augen auf der Straße haben, denn Löcher hat es überall. Zudem gab es ein starkes Auf und Ab im Südteil der insel. Durch den starken Wind hatten wir eine so klare Sicht, dass wir die Granitinsel (Ailsa Craig) südlich von Arran in einer Weise sahen wie noch nie. Der Campingplatz war recht voll, aber in Ordnung. Nur das mit dem Trockner funktionierte nicht recht. Er trocknete und trocknete nicht, so dass unsere Sachen auch nach Stunden nicht trocken waren. Die Wettergötter waren aber milde gestimmt und bereiteten uns eine der einzigen trockenen und windigen Nächte! Neben dem Campingplatz gab es ein Hotel mit Bar und Live-Musik (dazu nicht mehr).

Kildonan (Arran) – Brodick (Arran) – Ardrossan – Ayr – Girvan #101km:

Der Morgen fing gut an. Wir fuhren in der Sonne die Ostküste von Arran von Kildonan nach Brodick, um von dort die Fähre zurück auf’s schottische Festland zu nehmen. Dort war am Hafen die Hölle los (vielleicht wegen der Highland Games am vorherigen Tag). Zum Glück waren wir früh dran, denn die Fähre wurde voll. Auf dem Festland ging es dann von Ardrossan Richtung Süden an der Küste entlang. Der Wind war wieder heftig gegen uns. Wir fuhren das erste Mal in Schottland Radweg, weil die Straßen alle sehr befahren sind und auch Umwege für uns gewesen wären. Doch Radwege in Schottland sind nicht gleich Radwege, wie wir sie vielleicht kennen. Wir waren überrascht über den extrem schlechten Zustand der Wege. Völlig aufgebrochener Asphalt auf unbenützten Straßen, abwechselnd mit Glasscherben, Müll und extrem engen Wegen, ließ Maltes Konzentration beim Lenken zu Hochform auflaufen. Wir waren froh, als wir die Wege verlassen konnten. Eines muss man lassen: Sie waren immerhin gut ausgeschildert. Ab Ayr fuhren wir wieder normale Straßen. Jetzt hatten wir nur noch einen Gegner: das Wetter. Eine richtig schwarze Wand kam auf uns zu und wir waren uns nicht sicher, wie weit wir kommen würden. 2 Meilen vor Girvan fing es dann an - in einer Heftigkeit, die uns beide völlig überrascht hat. Der plötzliche starke Wind war so stark, dass wir umkehren mussten. Wir sind zu einem B&B, das wir an der Strecke kurz zuvor sahen. Mit nur mal kurz unterstehen war da nichts, denn es regnete sich so richtig ein. Obwohl es teuer war, blieben wir, denn bei Regen macht das Zelten auch keinen Spaß. Außerdem sind wir ja im Urlaub..

Girvan – Cairnryan – Larne (Nordirland) – Cullybackey (östl. v. Ballymena) #105km:

Regen, Regen, Regen. Wir fuhren bei Regen los Richtung Cairnryan zur Fähre nach Nordirland. Diese Regenfahrt war nicht wild, denn es windete nicht und so fuhren wir, auch dank unserer guten Regenkleidung, recht gemütlich die Strecke vom Tag zuvor weiter in Richtung Cairnryan, um von dort (wieder) mit einer Fähre nach Nordirland (Larne) überzusetzen. Diese Fähre hatten wir wie die ganzen schottischen nicht gebucht, doch genau das war jetzt ein Problem, denn sie haben eine Fähre ausfallen lassen müssen und wollten uns aufgrund von „Überlastung“ nicht mitnehmen. Davon waren wir nicht überzeugt, hatten wir doch nur ein Rad (16kg + 35kg Gepäck) und kein Auto (mind. 1t) und versuchten mit Mitleid und erpresserischem Vor-dem-Schalter-Sitzen doch noch mit zu kommen, womit wir schließlich Erfolg hatten. Wir mussten rüber, denn in Nordirland waren wir verabredet. Mit 40 € ist man bei diesen Fähren zu zweit dabei. In Larne angekommen, war das Wetter wunderbar. Die Sonne schien, es war warm und wir radelten Richtung Ballymena zuerst an der Küstenstraße nach Norden (Antrim Coast Road), dann durch das Glenarm hoch ins Landesinnere. In Cullybackey, hinter Ballymena haben wir eine Freundin besucht und einen ganzen Tag Pause gemacht (an dem es ununterbrochen geregnet hat).

Cullybackey – Draperstown – Plumbridge – Castlederg – Barnesmore Gap/N15 (IRL) – Donegal #154km:

Von Cullybackey ging es los Richtung Donegal. Leider hatten wir den Kartenteil vergessen, der uns bis zur Grenze von Nordirland führen sollte. So sind wir mit einer sehr ungenauen Kopie einer Straßenkarte losgezogen und haben uns auch prompt auf den kleinen Wegen ein bisschen in Richtung Draperstown und den Sperrin Mountains verfahren, denn die Ausschilderung auf den kleinen Straßen ist in Nordirland (und Irland) nicht sehr gut. Die Strecke führte durch mehrere sehr kleine Ortschaften, die alle deutlich Flagge entweder für die Unionists oder die Loyalists zeigten. Bemalte Randsteine, Häuserwände, hoch eingemauerte Polizeistationen und vergitterte Schulen wirkten doch bedrohlich, aber traurig zugleich. Denn die Landschaft ist sehr reizvoll, wie z.B. in den Sperrin Mountains zw. Draperstown und Plumbridge – auch wenn das z.T. sehr steile und kurvige Auf und Ab auf diesem Streckenabschnitt sehr anstrengend wurde. Auf dieser Straße begegnete uns zum ersten Mal das hier nebenstehende Lied: Ein zahnloser nordirischer Bauer begleitete uns mit seiner alten Rostlaube für ein paar Meter, gab dieses Lied zum Besten und verschwand in seinem Hof. Uns hat diese Begegnung sehr beeindruckt! Wir haben den Weg aus Nordirland heraus gefunden, sind an einer sehr verlassenen Stelle zwischen Castledearg und der N15 (zw. Ballybofey und Donegal) über die Grenze, wo schlagartig der Straßenbelag in einen bedenklichen Zustand wechselte (Diese Straße war auf unserer doch sehr ganauen Karte nicht mal eingezeichnet). In Donegal nahmen wir, nachdem wir trotz vieler Touristen keinen Campingplatz gefunden hatten und nicht mehr weiter wollten, ein B&B. Angeblich kann man bei der Jugendherberge auf dem Rasen campen, wie man uns am Abend erzählte. Wir können das aber nicht sicher sagen.

Donegal – Ballyshannon – Sligo – Ballina – Crossmolina #150km:

Wir sind auf der Nationalstraße N15 nach Sligo gefahren – vorbei an Nationalpoet Yeats’ Lieblingsberg Benbulbin. Die größeren Nationalstraßen in Irland haben oft den Vorteil eine Art Seitenstreifen zu haben, der für Radfahrer sehr günstig ist. Der Belag ist gut und der Seitenstreifen ist meistens ohne Split oder Scherben. So kommt man sehr zügig voran, was bei ohnehin mäßigem Wetter sehr praktisch ist. In Sligo haben wir zum ersten Mal das übliche irische Problem vorgefunden: auf den Landstraßen ist kaum was los, aber in den Ortschaften und Städten staut man sich durch. Das gilt auch für Radler. Nach Sligo ging es weiter in Richtung Ballina mit einigen Hügeln rauf und runter. Highlight des Tages: als die Sonne kurz vor Ballina rauskam. Leider war unsere Karte nicht so aktuell wie wir hofften, denn auf dem angestrebten (kleinen) Campsite in Crossmolina 12 km hinter Ballina stand schon der Bagger. So verhalf uns dieser Abend erneut zu einem B&B. Lehre daraus: in den weniger von Touristen frequentierten Regionen lieber einen Campsite früher ansteuern, da die Karten schneller veralten als man denkt (unsere Karte war ein halbes Jahr alt);-).

Crossmalina – Newport – Westport – Leenaun – Gowlaun (Nord-Connemara) #96km:

Von Crossmolina sind wir durch eine schöne Gegend Richtung Westport über Newport gefahren. Dabei trafen wir eine Gruppe von 5 amerikanischen Tandems, Sehr interessant wie diese ihre Räder fluggerecht zusammenklappen können (alles eine Frage des Geldes). Nach Westport fing es an, landschaftlich sich zu verändern. Wir sind Richtung Leenaun gefahren und alles wurde wilder und für uns Schottlandfreunde „highlandartiger“. Leenaun liegt am Ende eines Art Fjord, was in der Tat sehr beeindruckend ist. Absolutes Highlight nun in Connemara ist die Strecke von Leenaun entlang der Küste, hoch ins Landesinnere und wieder zurück ans Wasser auf einer kleinen Straße! Die Straße führt durch eine wunderschöne karge Berglandschaft mit Seen, an deren Ende man das Meer sieht. Unten an der Küste (Gowlaun) gibt es zwei am Meer gelegene Campingplätze, die auch für einen längeren Aufenthalt bei gutem Wetter ideal sind. Mobilfunk macht’s möglich, dass kurz zuvor zwei Freunde mit einem Mietauto eben dort eingetroffen sind und mit uns den Tag in einem Pub abrundeten.

Gowlaun – Letterfrack – Clifden – Glencoh – Rossaveel – Kilronan (Inishmore) #88km:

Von der Küste Connemaras ging es nun Richtung Clifden durch eine weiterhin völlig beeindruckende Landschaft – sozusagen einmal um den Connemara National Park. Wir fuhren auf Nebenstraßen bis Rossaveel, von wo aus wir die Fähre nach Inishmore nahmen. Diese Fähren sind nur für Fusspassagiere – es werden aber Räder mitgenommen. Dafür muss man das Gepäck abnehmen und das Rad wird am Rand über die Reling gehoben. Extra kostet das Rad nichts. Bei guter Sicht kann man bei der Überfahrt den kahlen Burren (nördlich Doolin) und die Cliffs of Moher (südlich Doolin) erkennen. Die Aran Islands sind ideal für Radler, denn es gibt kaum Autos, nur die der Einheimischen. Und sonst fahren kleine Pferdegespanne herum. Auf Inishmore gibt es einen Zeltplatz. Der liegt am nördlichen Teil der Insel nicht weit vom Hafen auf den klassisch eingemäuerten Viehparzellen der Insel. Der Campsite ist goldig, ist aber mit 10€ zu zweit recht teuer, da er keine Duschen besitzt (da kein Warmwasser), nur ein paar Klos, Miniwaschbecken und eine recht versiffte Spülstelle. Aber es lohnt sich trotzdem. Mit wild campen ist nicht viel, da die gesamte Fläche auf Inishmore mit den Steinmäuerchen voll ist.

Kilronan (Inishmore) – Doolin #17km:

Auf Inishmore muss man mit dem Rad ein bisschen rumfahren, die Seehunde besuchen und sich vorher gut informieren, wann die Fähren wieder zurückfahren. Je nach Tide, fahren die nämlich auch einfach ne Stunde früher... Nützlich wäre auch ein vorheriges Kaufen von Tickets, was jedoch nicht leicht ist, weil unterschiedliche Fährgesellschaften zwischen den Inseln pendeln. So verbrachten wir ein paar Stunden mehr als geplant auf Inishmore, wo im übrigen alles recht teuer ist – das Cafe war trotzdem sehr süß. Den Plan, den Burren mit dem Rad zu erkunden, mussten wir allerdings fallen lassen. Die Überfahrt nach Doolin war spannend, da ordentlicher Seegang war und die Fischkutterfähre wie eine Nussschale darauf hüpfte. Unser Rad wurde diesmal mit Salzwasser geduscht. In Doolin gibt es direkt am Hafen einen recht großen Campsite, der im Übrigen Campinggas führt und auch ordentliche Waschmaschinen mit Trocknern hat. Aber das ist eine Geldmacherei und Waschen kann hier sehr teuer werden. Den Abend verbrachten wir privat bei zwei sehr netten Iren, die uns eingeladen haben. Dafür mussten wir eine sehr spektakuläre aber auch sehr steile Straße aus Doolin heraus nehmen, an einer Burgruine vorbei.

Doolin – Milltown Malbay – Shannon Ferry – Listowel – Tralee #107km:

Von Doolin raus nochmals dieselbe Steigung an der Burgruine vorbei. Eine völlig abartige Steigung mit Gepäck. Kommt man an der großen Straße oben an, führt ein kleiner Weg gerade aus. Dieser nochmals kurz ansteigende Weg ist eine wunderbare Abkürzung Richtung Lehinch – für all die Schwindsüchtigen, die die Cliffs of Moher meiden wollen. Wer eine einigermaßen gute Karte hat, findet sich im Gewirr der kleinen Straßen auf dieser Anhöhe dennoch zurecht und hat somit eine gute Strecke gespart. Nach Lehinch ging es weiter durch Milltown Malbay, dann z.T. über kleinere Straßen auf den direktesten Weg zur Fähre bei Knock über den Shannon. Nach der kurzen Fährüberfahrt ging es weiter nach Tarbert, Listowel und Tralee. Dieser Tag war weniger den touristischen Highlights als vielmehr der „Überführung von A nach B“ gewidmet, sodass es vielleicht lästig, aber nicht weiter tragisch war, wenn es mal regnete. Wenn dann die Sonne wieder durch den Wolken durchscheint, ist ohnehin wieder alles vergessen. In Tralee, was eine schöne kleine Stadt ist, befindet sich der Campingplatz ein bisschen außerhalb, zunächst hatten wir, von Norden kommend, Schwierigkeiten ihn zu finden. Nachdem wir uns einen Tralee-Flyer in einem Hostel geholt haben, war es dann kein Problem mehr: an der N86 südlich des Stadtkerns. Der Platz ist recht neu und schön angelegt.

Tralee – Camp – Conair Pass (402m) – Dingle – (Slea Head und zurück) #87km:

Von Tralee ging es bei Sonne los Richtung Dingle. Bei einer kleinen Rast in Camp mussten wir uns entscheiden, ob wir weiter die Nationalstraße nach Dingle nehmen oder über Irlands höchsten Pass sollten: Conair (spektakuläre 402m). Wir konnten nicht wirklich erahnen, ob dieser Pass nun in den Wolken liegt oder nicht - die hohen Berge dahinter (bis 950m) lagen definitv drin. Wir riskierten es und hatten Glück: Bei Sonne war die Auffahrt zum Pass angenehm, anfangs sehr flach und steigt dann auf den letzten 7km kräftig an -  dafür ist aber der Blick wunderschön, an einem Wasserfall vorbei und mit tollem Blick nach Norden auf die Bucht. Bei guten Wetter und zu Ferienzeiten können schon recht viele Autos rauf und runter fahren, aber es hielt sich wie überall im Grunde in Irland noch in Grenzen. Oben angekommen hat man vor allem tolle Sicht in beide Richtungen. Die Dingle Peninsula lädt ein zum unbeschwerten Herumradeln (besser in Dingle vorher noch Zelt aufbauen und Gepäck abladen). Man ist mit dem Rad ungefähr genauso schnell wie die Autos, man hat sogar den Vorteil, dass man schneller anhalten und wieder losfahren kann. Bei schönem Wetter drängelt man sich am Westende der Halbinsel bei Slea Head schon in den Haltebuchten. Lohnt sich aber in jedem Fall. Wer sich für Frühgeschichte interessiert: Unterwegs kann man noch ein paar frühzeitliche „Bienenstock“-Häuser anschauen. Wer Zeit mitbringt, sollte durchaus die Halbinsel komplett abfahren (dann käme man auch noch bei dem frühchristlichen Gallus Oratory vorbei. Bei gutem Wetter ist das eine Gute-Laune-Tour par excellence. In Dingle sind wir zu einem kleinen Zeltplatz bei einem Hostel, der absolut empfehlenswert ist: Rainbow Hostel, durch Dingle durch und am Kreisverkehr rechts Richtung Norden, nach ca. 1 km rechts dran. Dort kann man auch direkt ins Hostel, wer mal lieber eine Nacht günstig in einem Bett schlafen möchte. Es gibt weiter westlich von Dingle noch einen Campingplatz, der größer ist, ca. 5 km von Dingle. In Dingle gibt es übrigens ein Internetcafé, was in Irland wie auch in Schottland sonst sehr selten ist. In einem Eiscafe wird übrigens mit einem Schild nur in deutscher Sprache darauf aufmerksam gemacht, dass die Eiskugeln zwar teuer, dafür aber groß portioniert seien. Ansonsten viel Pubs und fast überall Live-Musik.

 

Dingle – Castlemaine – Gap of Dunloe – Moll’s Gap – Kenmare – Lauragh #126km:

Um von der Dingle Halbinsel wieder wegzukommen, muss erst einmal wieder eine Weile in Richtung Osten gefahren werden. Es gäbe vielleicht die Möglichkeit mit dem Boot nach Cahersiveen an den äußersten Westen der Kerry Halbinsel zu fahren, ist aber relativ teuer und es ist nicht ganz klar, ob nun Boote fahren oder nicht. Nach einer Steigung auf den ersten 10km (Richtung Tralee) führt eine Straße (Richtung Castlemaine) entlang eines Felsens leicht ansteigend Richtung Inch. Wer Zeit und Lust hat, sollte sich diesen großen Strand nicht entgehen lassen. Zwischen diesem Strand und Castlemaine ist die Straße angehm flach, sodass man über Milltown und Faha das nächste Highlight in Angriff nehmen konnte: Gap of Dunloe und Moll’s Gap. (Diese zwei Pässe sind eine traumhafte Alternative zum Ring of Kerry. Von dieser Kerry-Halbinsel wurde uns Radfahrer wegen des zu starken (Bus-)Verkehrs abgeraten.) Man darf sich bei der Anfahrt zum Gap of Dunloe von dem sehr touristischen Vorgeplänkel nicht schockieren lassen. Sobald man die Durchfahrt, die Cafés und Pferdekutschen hinter sich gelassen hat, trifft man nur noch vereinzelt Fußgänger und Kutschen. Der Gap ist für Autos nicht gesperrt, ist aber wegen des extrem schlechten Belags kaum befahren, da man dafür fast nur mit Allradantrieb hoch oder runter kommt. Der Gap of Dunloe führt an einem wunderschönen See vorbei und steigt dann sehr steil an. Vorsicht, wirklich richtig schlechter Belag: erodiert und steinig, von einem ehemaligen Asphalt ist nicht mehr viel zu sehen. Wir haben uns an dieser Stelle wohl den Mantel des Hinterrades beschädigt. Vor allem als beladenes Tandem merkt man hier erst, wie schwer so ein Gefährt wirklich ist. Die Touristen werden immer weniger und die Landschaft immer schöner. Man kommt in ein Tal, in dem kaum noch Autos unterwegs sind und die Natur wunderbar wild und unbewohnt. Die kleinen Wasserläufe unten laden zum Erkunden und Picknicken richtig ein! Um Richtung Kenmare zu kommen, mussten wir nun noch den Moll’s Gap hinauf. Dafür sind wir zuerst sehr lange im Tal nach hinten gefahren und glaubten uns schon verfahren, als die Straße doch noch links ab den Berg hoch führte. Auch diese Auffahrt war nicht ohne. Aber der Blick hinunter ins Tal entschädigte mal wieder. Wer will, kann hier oben, wie auf jedem Alpenpass, noch einkehren. Wir sind weiter hinunter Richtung Kenmare und schließlich auch weiter auf die Beara Halbinsel in Richtung (aber noch nicht über) den Healy Pass. Hier gibt es zwei Möglichkeiten nach Lauragh zu fahren: 1) Unten am Wasser entlang über ?? oder 2) die etwas kürzere Strecke über den Berg. Wir wählten zwecks dramatischem Himmel das letztere und wurden mit beeindruckenden Blicken auf die Kerry Halbinsel im Norden belohnt. Auch hier ist man recht für sich. Der Campsite am Fuße des Healy Pass ist ein Muss: von den Terassen hat man Blick auf Kerry mit herrlichem Sonnenuntergang!

Beara Peninsula Rundtour (Lauragh – Allihies – Castletown – Healy Pass (270m) – Lauragh) #87km:

Beara ist der Geheimtipp, vor allem für Radler. Im Gegensatz zu Kerry gibt es hier kaum Touristen, dafür jede Menge wunderschöne Straßen und Buchten und Strände. Wir sind von Norden her einmal um die Insel herum mit Mittagessen in einem langersehnten Pub in Allihies und Einkaufen in Castletown (wo wir uns einen Ersatzmantel in einer Autowerkstatt besorgen konnten), und über den Healy Pass zurück zum Campsite bei Lauragh. Eine erstklassige und eigentlich völlig entspannte Tagestour. Aber sie ist hügelig (z.T. mit kurzen aber sehr steilen Anstiegen) und man sollte sich was zu Essen mitnehmen, denn die Einkehrmöglichkeiten sind recht spärlich verteilt. Healy Pass ist schön und allein wegen seiner vielen, vielen Serpentinen einfach lustig. Die Auffahrt erinnert eher an den Grimsel oder die alte Gotthard-Passstraße, aber mit 4% Steigung statt 10. Es fährt sich sehr leicht rauf, leider hat es bei uns etwas genieselt. An diesem Tag haben wir ein weiteres Tandem-Team kennengelernt. Ein überoptimistischer Kanadier mit seinem ca. 13jährigen Sohn. Der Maßstab ihrer Karte war 1:1.000.000, daher auch seine Begeisterungsfähigkeit für jegliche Weghinweise, die wir ihnen geben konnten. Sie drehten um und folgten uns dann ein wenig später über den Healy Pass (der nicht auf ihrer Karte eingezeichnet war) zum selben Campingplatz. Völlig durchnässt, aber völlig begeistert sind sie kurz nach uns auch dort eingetroffen. Auf diesem Campsite kann man übrigens auch einen der Wohnwägen für eine Nacht mieten anstatt zu zelten. Außerdem gibt es eine extra Küche mit kleinem Aufenthaltsraum, was auf den meisten Campsites selten war.

Lauragh – Healy Pass – Glengariff – Bantry – Dunmanway #87km:

Von Lauragh nochmals über den Healy Pass (entgegengesetzt und bei schönen Wetter) Richtung Glengariff. Hier geht es nach dem Pass gehörig rauf und runter, was einen dann doch ermüden kann. Von Glengariff nach Bantry. Schön wäre sicherlich hier Richtung Skibbereen zu fahren, da unsere Fähre von Cork nach Roscoff (Bretagne – fährt nur einmal in der Woche) gecancelt wurde und wir weiter nach Rosslare (200km weiter an die Südostspitze Irlands) mussten (dafür waren wir den ganzen Vormittag am Telefon), haben wir hier abgekürzt und sind ab jetzt nur noch „schnelle“ Wege gefahren, um Zeit zu sparen. Wer hier sich Irland genauer anschauen möchte, sollte unbedingt weiter in den äußersten Südwesten nach Mizen Head. Unseren ursprünglicher Plan auf die Clear Island zu fahren, mussten wir leider auch streichen. Wir sind also von Bantry weiter in Richtung Cork, wo wir auf halben Weg uns in Dunmanway ein B&B gesucht hagen, wohl wissend, dass es dort keinen Campingplatz gab. Erschwerend kam nun hinzu, dass Malte stark kränkelte (womöglich aufgrund der nassen Abfahrt vom Healy Pass am Vortag) und alles andere als fit war. Daher war die heiße Badewanne in diesem leider sehr teuren B&B ein Segen. Zudem kam es, dass seine Lippen ab diesem Tag offen waren und mehr oder weniger bis zum Ende der Tour offen blieben (wahrscheinlich einmal zu wenig eingecremt + die starke Erkältung). Dass es ein überwiegend supersonniger Tag war, geriet ein wenig in den Hintergrund.

Dunmanway – Bandon - Ringaskiddy (südl. Cork) – Midleton – Lismore – Dungarvan (Clonea Bay) #155km:

Die Nacht im B&B hat sehr gut getan. Ohne ein Zelt einpacken zu müssen ging es früher als sonst los (9 statt 10 Uhr). Auf leicht hügeligem Gelände steuerten wir Ringaskiddy (südl. Cork) an, um uns dort mit einer kleinen Fähre über den Loch Mahon übersetzen zu lassen. So konnten wir sehr bequem Cork umfahren. Hier unten im Süden ist unbedingt davon abzuraten auf den Nationalstraßen zu fahren. Es gibt zwar wieder einen breiten Standstreifen, auf dem man gut fahren kann (und es scheint auch nicht verboten zu sein), aber die Straßen sind so stark befahren, dass es einfach zu gefährlich ist. So waren die 6 Meilen auf der vierspurigen Nationalstraße zwischen Cork und Midleton sehr nervig. Nach der Mittagspause in Midleton entschieden wir uns nicht weiter auf der N25 Richtung Osten zu fahren, sondern nach Norden über Lismore, was eine gute Entscheidung war. Ist außerdem sehr schön dort, wenn es auch bergauf ging! Von Lismore dann weiter an Dungarvan vorbei in Richtung eines großen Campsite in der Clonea Bay. Auf dem Campingplatz gab es Waschmaschinen, aber mal wieder ein klassischer Fall von Camper-Abzocke. Man hat ja keine Wahl... Die Freude über das Geleistete überwog, zumal für den nächsten Tag Unwetter vorhergesagt wurden und man deswegen froh war, schon sehr viel Strecke in Richtung Rosslare gemacht zu haben.

Dungarvan (Clonea Bay) – Waterford #54km:

Unwetter – wie vorhergesagt. Deshalb von Dungarvan nur nach Waterford. Um zumindest bis Waterford zu kommen sind wir auf die Nationalstraße N25 ausgewichen, die am Sonntag weniger befahren ist. Da die Aussichten weiter sehr schlecht waren, haben wir hier einen Versuch unternommen, mit dem Bus weiter nach Wexford zu fahren, ABER: Tandems sind für die irischen Überlandbusse zu lang. Da die Busfahrer alle sehr zögerlich waren, ob sie uns mitnehmen würden oder nicht, beschlossen wir den nächsten Tag abzuwarten und bei jedem Wetter dann einfach so weiterzufahren, in der Hoffnung, dass sich der Sturm legen würde und die kleine Fähre bei Passage East (östl. v. Waterford) in Betrieb ist – damit würden wir fast 25km sparen. Also: normale Räder werden bei Überlandbussen auf Anfrage hin mitgenommen, solange genügend Platz ist, Tandems sind problematisch – ob sie uns nun mitgenommen hätten oder nicht können wir aber abschließend nicht sagen. Da es kein wirkliches Eisenbahnnetz hier unten gibt, bleibt einem in Irland als Tandemfahrer auch keine Alternative! Das merkten wir zum Glück erst am Schluss... Ach ja, wir wählten bei dem sintflutartigen Regen abermals ein B&B.

Waterford – Passage East – Wellingtonbridge – Rosslare Harbour #68km:

Wir hatten Glück, das Wetter war wieder prima und hat uns wieder mit Irland versöhnt. Wir konnten also in aller Ruhe bis Rosslare Harbour fahren. Die Fähre bei Passage East über den Barrow fuhr völlig normal und die Strecken sind sehr angenehm zu fahren. Auf einem Teilstück kann man in der Entfernung ab und zu den Berg mit dem JFK Memorial sehen. Ansonsten ein gemütliches Auf und Ab, nie wirklich anstrengend, an Feldern und Tieren vorbei. Die Überfahrt nach Frankreich war trotzdem heftig, weil der Wind immer noch stark genug war, um die 17 Stunden auf der Fähre zur Tortur zu machen, auch wenn das Unterhaltungsprogramm sehr vielfältig und amüsant war...

Cherbourg – Valognes – St. Jores – Carentan #73km:

Von der Fähre kamen wir erst um 13 Uhr und mussten uns nun erstmal für die völlig neue Strecke in Frankreich organisieren – wir hatten wegen der Umbuchung ja gar nicht die richtigen Karten dabei. In Cherbourg selbst hatten wir kein Glück Michelin-Karten zu bekommen, so dass wir erstmal drauf los geradelt sind. Starker Seitenwind und drohender Regen machten die ersten 5km auf der sehr befahrenen Route Nationale bis zum nächsten Großmarkt gleich zur Frusttour. Solange wir einkauften, zog immerhin das Unwetter über uns rüber und wir konnten in Ruhe unsere neuen Michelin-Karten studieren. Als wir dann weiterfuhren, blieb es trocken und und war zeitweise sogar sonnig. Wir konnten von der gefährlichen (vierspurigen) Route Nationale bei Valognes runter auf die D24 in Richtung Süden bis St.Jores und von dort erst wieder in Richtung Carentan. Es wurde ab der D24 richtig schön und wir kamen immerhin noch über 70km an diesem Tag. In Carentan konnten wir mit dem bislang billigsten Campingplatz für 7.50€ die erste Frankreichetappe abschließen.

Carentan – Isigny – Balleroy – Aunay – Suisse Normande – Falaise #120km:

Das Wetter spielt nicht so richtig mit, es ist ein On und Off mit dem Regen (und gelegentlich die Sonne) und es war für August in Frankreich uns eigentlich auch zu kalt. Aber eine Wahl hatten wir ja nicht, so sind wir bei diesen herbstlichen Bedingungen von Carentan los und suchten uns über die gelben und kleinen weißen Straßen der Michelin-Karten eine nette Strecke. Einen Volltreffer haben wir damit gelandet, dass wir die Route des Crêtes durch die Suisse Normande gewählt haben, was uns also auf die höchsten Erhebungen der Gegend führte – Erhebungen, mit denen wir in keinster Weise gerechnet haben. War schön, keine Frage und wenig Autos, aber vielleicht doch nicht so schlau... In Falaise war dann mit müden Beinen nach immerhin 120km auch Schluss. Der Camping Municipale liegt recht zentral und ist mit 9€ ebenfalls sehr günstig. Die Stadt lohnt sich übrigens zum Anschauen mit ihrer festungsartigen Stadtmauer auf dem Berg.

Falaise – Chambois – Planches – Foret du Perche – Neuilly - La Loupe – Illiers #156km:

Das Wetter war heute ein bisschen besser, was die Tagesform doch immer gleich mitbeeinflusst. Wir fahren die 125km nach La Loupe und konnten das erste Mal dazwischen wieder im Trockenen mittagessen. Auf der Strecke kommt man hier in der Normandie an vielen Kriegsstätten des 2. WK vorbei, die man sich ruhig auch mal anschauen kann. Insgesamt ein leichtes Auf und Ab. Kleines Highlight war der Kreisverkehr Foret du Perche, an dem 8 Straßen sternförmig aufeinandertreffen (Aufpassen, dass man die richtige „Ausfahrt“ erwischt!). Ansonsten eine Feld-Wald-und-Wiesentour bis zum Schluß. Ein langer Tag, an dem wir die guten Bedingungen unbedingt ausnutzen wollten. Der Campsite von Illiers war nicht leicht zu finden, da die Beschilderung plötzlich aufhörte. Ein Anwohner wies uns schließlich den Weg: aus dem Ort in Richtung Süd-Westen rausfahren, Richtung Schwimmbad – 2km außerhalb am Waldesrand. Für 7.33€ erneut eine günstige Nacht und neuer Rekord.

Illiers – Sancheville – Artenay – Chilleurs – Combreux – Lorris 137km:

Der Wind hat leicht gedreht auf SW und bläst auch wieder stärker – zu nächst von der Seite zwischenzeitlich auch mal von hinten, was eine Wohltat war. Wir fahren durch sehr flaches Land nördlich von Orléans vorbei an Feldern, Feldern und Feldern. Der Anblick eines schnellen Zuges machte schon mal ein wenig wehmütig (nach fast vier Wochen Tour). Die Gegend wurde noch optisch richtig schön: durch einsame Wälder (mal wieder so ein Kreisverkehr mit 8 Straßen) oder an schönen, französischen Schlössern vorbei und klienen Kanälen. Bei Lorris allerdings die Enttäuschung: der angegebene Campsite liegt nicht direkt bei Lorris (gehört nur zur Gemeinde), sondern ca. 5km  westlich davon: d.h. wir sind fast dran vorbeigefahren... Diese 5km gegen den Wind haben sehr weh getan. Tipp: der Campsite liegt an einem See (Etang des Bois) und kann von der Strecke direkt angefahren werden. Der Campsite liegt wunderschön, die Besitzer sind sehr lustig und wir haben gleich eine Flasche guten Cidre für den Abend gekauft. Es war warm und trocken, so dass wir unsere Wäsche waschen konnten. Der Nachteil an französischen Campingplätzen ist, dass es zwar Waschmaschinen, aber selten Trockner gibt, so dass man als Radler richtig Glück haben muss, damit alles trocken wird. Wiedermal waren die Wettergötter gut gelaunt, so dass alles trocken wurde, auch wenn es in der Nacht anfing zu regnen.

Lorris – Chattillion-Coligny - Toucy – Charentenay – Accolay (südl. Auxerre) 124km:

Es regnet und wir überlegen, ob wir nicht einen Tag Pause machen sollten. Da es dann aber doch weniger wurde, sind wir um 11 Uhr losgefahren, was eine gute Entscheidung war. Ab und an regnete es zwar, aber nachmittags riss sogar der Himmel auf und wir sahen zum ersten Mal die Sonne. Dafür setzen wir uns gleich in Toucy in ein Straßencafé und wärmten uns mit einer Chocolat Chaud wieder auf. Wir folgten dem Fluß Ouanne bis zur Quelle, von wo wir einen herrlichen Ausblick in alle Richtungen geniessen konnten – leider auch in die Richtung die Regen ankündigte. Nach zwei Anstiegen ging es hinab ins Tal der Yonne und schließlich die kleine Ortschaft Accolay. Trotz spätem Start sind wir doch noch recht weit gekommen und schafften es vor dem nächsten Regen im Zelt zu sein. Wir übernachteten auf den mit Abstand günstigsten Campsite mit 6.40€ – der Rasen dafür so weich wie sonst selten.

Accolay (südl. Auxerre) – L’Isle-s-Serein – Semur (en Auxois) – Vandenesse #108km:

Wir haben in der Zwischenzeit erkannt, dass Großmärkte sinnlos und zeitfressend sind und die kleinen Märkte und Bäcker in den Orten selbst alles schneller und einfacher für uns machten. Wir genossen das gute Wetter heute, konnte in der Sonne mittagessen und ließen uns sogar für 1-2 Stunden in Semur nieder. Wer nicht auf Anhieb mit bloßem Auge sieht, dass diese Stadt historisch betrachtet etwas besonderes ist,  erkennt dies spätestens an den vielen Menschen mit dem DuMont-Kunstreiseführer unterm Arm. Wir beschlossen, die Etappe des heutigen Tages zu verkürzen (bzw. die des darauffolgenden Tages zu verlängern) um sehr ausgiebig in einem Cafe in der Sonne den Nachmittag mit einer Chocolat Chaud, gateaux, the, du coca zu genießen... eigentlich sind wir ja auch im Urlaub, was uns in den letzten Tagen nicht so klar war. Zudem mussten wir ja unsere 3000km feiern, die wir heute vormittag geknackt haben. Trotzdem ging es noch 40km weiter entlang des Canal de Bourgogne bis Vandenesse. Der Campingplatz ist auch hier ein wenig außerhalb, am Reservoir de Panthier, wo wir auf dem teuersten Campingplatz des französischen Teils der Tour übernachteten - 16€. Die vielen Sterne, die dieser hatte, konnten wir nicht und würden wir ohnehin nie, nutzen. Mit einer Flasche Rotwein, Suppe, Spaghetti, Käse, Baguette und Kühen nebenan genossen wir den Sonnenuntergang.

Vandenesse – Savigny-les-Beaune – Seurre – Pierre – Bletterans - Lons le Saunier – Vernantois #133km:

Kurz nach dem Start setzte Regen ein und wir mussten 5km den Berg hoch (Foret du Grand Ha). Knapp nördlich vor Beaune kamen wir in Savigny aus diesen Bergen raus und schlugen uns mehr oder weniger parallel zur A36 nach Seurre durch – immer mit der bangen Frage obweiterer Regen folgen sollte. Der Wind war heute wieder stärker, z.T. auch von der Seite, aber wir waren fit und konnten uns so noch einmal ein Café nachmittags in Pierre-de-Bresse gönnen. Große Flüsse haben wir bereits überquert (Saone u. Doubs). Die klassischen französischen Straßen sind wir uns ewig geradeaus mit ständigem Auf und Ab. So auch bei der Anfahrt auf Lons-le-Saunier (Hauptstadt d. franz. Jura). Vor Lons machten wir uns das Leben ein wenig schwierig, indem wir uns versuchten auf kleinen (der Karte nach weißen) Straßen zur Stadt durchzuschlagen, um größere, stark befahrene (rote) zu vermeiden. Es hat nach leichten Zweifeln trotzdem funktioniert und wir fuhren ein in die erste größere Stadt seit Wochen (Antwerpen – Belgien) – bei Berufsverkehr. Diese Luft waren wir nicht mehr gewohnt und  umso froher ziemlich schnell den richtigen Ausgang nach Süden nach Vernantois gefunden zu haben. In Vernantois gab es zwar kein Campingplatz (dafür in Lons), aber Freunde, auf deren Empfang wir uns schon eine Woche gefreut hatten.

Vernantois (Lons ) – Doucier – Ilay – Foncine – Col du (1260m) - Lac du Joux (le Pont, CH) #108km: 

Aus dem Tal kommt man nur hoch, wenn man die Berge hochklettert. Wir haben die etwas leichtere Strecke bei Montaigu gewählt und nicht direkt bei Vernantois. Von dort kommt man nun schön das Jura hoch. Es geht zwar vor allem viel rauf und manchmal runter, aber die Landschaft ist einfach beeindruckend. Diese Etappe hatte immer wieder schöne Ausblicke auf Täler, Schluchten, Berge und Seen. Leider war es trotz der Sonne ein wenig kühl. Ungeahnte Abweschlung war die zufällige Begegnung mit einer Kollegin – ein paar Minuten mit willkommener Pause. Über den langen, dafür nicht allzu steilen Col de ?? dann runter zum Lac du Joux. Bei dieser Abfahrt wurde es richtig kalt und wir freuten uns auf den Campingplatz mit einer warmen Dusche im schon schweizerischen le Pont – von wegen! Stattdessen gab es ein Zeltplatzschild an einer Wiese am See, wo ein Wohnmobil stand. Keine Spur von sanitären Anlagen o.ä. Wir fuhren schon sehr durchfroren die Uferstraße noch etwas ab und mussten dann einsehen, dass dies wohl der Campingplatz sein musste. Da es nun richtig kalt war – immerhin waren wir ja auch auf 1000m - und wir unbedingt warm duschen mussten, war dieser Platz für uns nicht möglich, wenn wir nicht mit einer Grippe die letzten Tage fahren wollten. Maltes Lippen waren ja weiterhin offen. Nach langem Zögern und Hin- und Her entschieden wir uns schließlich für das einzige (und natürlich teure) Hotel am Ort, das uns immerhin ein Badewanne bieten konnte. Wir hatten da auch keine Skrupel im Bad  unseren Kocher auszupacken und unsere geliebten Spaghetti zu kochen (was wir übrigens auch in jedem B&B machten).

Lac de Joux – Lac de Neuchatel – Lac de Bielle (Bielersee, Mörigen) #106km:

Wir kamen früh weg aus dem Hotel und waren erstmal beeindruckt vom Wechselspiel des Nebels mit der Morgensonne auf dem See. Aber richtig kalt war es. Radeln tat gut und wir fuhren gleich mal noch etwas höher aus dem Vallee du Joux heraus in Richtung Orbe und Yverdon-les-Bains. Nach einer langen (kühlen) Abfahrt nach Orbe, das Gegenwindteilstück nach eine  Yverdon. Zwischendrin konnten wir aus dem Dunst den Mont Blanc erkennen. In der Schweiz konnten wir uns bald wieder auf die hervorragende Beschilderung für Radler verlassen und sind so am Lac de Neuchâtel entlang geradelt und dann schließlich zum Bieler See. Der Radweg führt in Portalban (Lac de Neuchatel) eine sehr steile Steigung hinauf, die man auf sehr interessante Weise umfahren kann: Am Wasser entlang durch das Naturschutzgebiet des Rieds gibt es (eigentlich nur für Wanderer) eine flache Alternative nach Crudefin. Das ist wunderschön und sehr spannend. Wir fuhren so auf einem Holzweg auf Pfählen entlang und dann auf engen Fußwegen durchs Schilf. Das ging gut, erfordert vom Fahrer einige Konzentration, aber spart die 17%. Eigentlich darf man da nicht mit dem Rad durch, aber wir trafen einige Radler. Zwischen Neuchateler und Bieler See ist die Sprachgrenze und wir sind in der Deutschschweiz. Zur Übernachtung sind wir auf einem sehr neuen Campinplatz auf einem Bauernhof gelandet bei Mörigen gelandet, der sehr gute sanitäre Anlagen hatte, sein Wasser durch solarthermische Anlagen heizt und man zwischen den Obstbäumen und mit den Hühnern einen richtig schönen Abend mit Ausblick auf den See kann und im Vergleich zum nächsten Camping näher an Biel unvergleichlich ruhig und schön ist.

Bielersee (Mörigen) – Solothurn – Olten -  Unter-Hauenstein (691m) – Sissach - Bad Säckingen (D) #127km:

Letzter Tag, das Einpacken ging so schnell wie selten und wir waren fast eine Stunde früher als gewohnt unterwegs. Nun ging es bis Olten entlang des Schweizer Fernradweg Nr.8, immer an der Aare entlang. Immer vorbildlich ausgeschildert, haben wir den Radweg nur einmal an einer Baustelle verpasst. Es gibt schöne Uferwege entlang des Flusses, an anderen Stellen entfernt man sich ein wenig vom Fluß, und da ist es auch nicht immer flach. Insgesamt eine sehr angenehmes Teilstück unterhalb des sich weit nach Norden ausstreckenden Jura-Gebirges (bei Solothurn ca. bis knapp 1500m). Es wurde ein heißer, schwüler Tag und es sollte noch einmal so richtig bergauf (300 Höhenmeter) gehen. Wollten wir im Flachen unsere Tour fortsetzen hätten wir weiter entlang der Aare müssen bis diese bei Waldshut in den Rhein mündet und dann wieder zurück in Richtung Westen nach Säckingen – insgesamt ein Umweg von ca. 50km! So entschlossen wir uns die Abkürzung über das Jura-Gebirge mit der geringsten Steigung zu nehmen und bei Olten, bzw. Trimbach entfernten wir uns von der Aare auf der Bundesstraße in Richtung Basel, die dann bis Unter-Hauenstein („Passhöhe“) auf 691m ansteigt. es folgt eine schöne Abfahrt nach Sissach, bei der wir leider unseren Umwerfer kaputt gemacht haben (20km vor der Ziel vor Ende der gesamten Tour!!!). So mussten wir die letzten zwei Steigungen manuell umwerfen. Die Abfahrt an den Rhein bei Säckingen war der größte Genuss, die Einfahrt über die längste überdachte Holzbrücke Europas sensationell, die letzten 2,5km ein Triumphzug, das Ankommen unbeschreiblich...